Das Motorrad aus dem Zoll zu bekommen hat ca. 4-5 Tage gedauert. Zweimal musste die Kiste aufgemacht werden zur Inspektion. Das erste Mal wurde fast alles auseinander genommen und eine Liste erstellt, wo jeder Schraubenzieher aufgeführt wurde, um die zweite (Zoll-)Inspektion damit einfacher zu gestalten. Beim zweiten Mal (Zoll-Inspektion) hat diese Liste dann allerdings überhaupt keinen interessiert, stattdessen gab es ein Riesengeschrei wegen meiner Ersatzreifen. Der “Agent” hatte nur einen aufgeschrieben, es waren aber fünf. Zwei konnten wir vor der Zolltante dann noch verstecken, aber drei hat sie gesehen. Bei der folgenden Diskussion habe ich mich zurückgehalten, und irgendwie hat es dann geklappt. Will mich nicht beklagen. Mit den deutschen Zollbehörden wäre das bestimmt auch nicht einfacher.
Peru ist ein wunderschönes Land, das eigentlich drei Länder sein könnte. Die Costa (Küste und Wüste dahinter), Sierra (Gebirge bis knapp 7.000 m) und die Selva (Regenwald). Alle sind (mir gegenüber) im Allgemeinen sehr nett, offen und freundlich, und in den einsameren Gegenden fällt man ja schon auf, als “Gringo”.
Da es ein sehr armes Land ist, hört man leider auch unschöne Dinge, z.B. neulich Ausrauben der Toten nach einem Busunglück, ohne Rücksicht auf die übrigen Überlebenden. Der Bus hatte sich auf der Carretera Central im Gebirge ein Rennen mit einem anderen Bus geliefert und war dabei von der Straße abgekommen. Diesen Bus habe ich zwei Tage später noch gesehen, als ich da zufällig vorbeigekommen bin. Da ist es mit dem Motorrad noch verhältnismäßig sicher, da man sehr schmal ist und ausweichen kann, bei “Gegenverkehr” in der Kurve, auf allen Spuren…
Im Regenwald hat es einige Unruhen gegeben, Indios gegen Polizei, mit toten Polizisten, Straßenbarrikaden der Indios. Die scheinen ein kriegerisches Völkchen zu sein. Aber auch die Polizei/Militär ist wohl nicht ganz ohne, und hat vorher “Mist gebaut”, d.h. Indios sind verschwunden…
An einer Stelle bin ich auch zwei Tage vorher noch vorbeigefahren, die sie dann nachher abgesperrt haben. Generell scheint es im Regenwald etwas gefährlicher zu sein, hauptsächlich wegen der Koka-Anbaugebiete und den damit beschäftigten Menschen. Von Fahrten bei Dunkelheit wird dort abgeraten, wegen bewaffneter Raubüberfälle. Das gilt aber genauso für die Peruaner selber.
Insgesamt gesehen geht es aber, glaub’ ich, in Peru einigermaßen ruhig und sicher zu.
Ich hab’ bisher zwei Motorradtouren gemacht. Eine davon zu zweit mit Giannina und eine alleine, und habe dabei nur gute Erfahrungen gemacht. Zu zweit sind wir in der “Peruanischen Schweiz” u.a. 50 Kilometer auf einer üblen Schotter-Piste zur “Punta Olimpica” auf 4.900 Meter Höhe geholpert und wieder zurück. Dicht am höchsten Berg Perus (Nevado Huascaran, 6.770 Meter) mit seinen Gletschern etc. vorbei. Alleine bin ich etwas längere (bessere) Pisten durch die Berge gefahren, das ist schon etwas aufregend, weil man ja vorher nicht weiß, wie der Zustand der Piste wirklich sein wird, und das dann ganz schön Zeit kosten kann. Belohnt wird man aber mit jeder Menge spektakulärer Ausblicke und Natur, einschließlich der diversen Tiere da oben.
Die Höhe macht sich dann bei knapp 5.000 Meter auch bemerkbar, bei Mensch und Maschine, aber alle haben gut durchgehalten.
Aufpassen muss man auf die unzähligen Dorfhunde, die einem immer laut bellend ins Motorrad laufen wollen. Da muss man dann kurz abstoppen, und hoffen, dass sie einem nicht ins Bein beißen. Tun sie aber meistens nicht, sind zufrieden, wenn sie einen “gestoppt haben”.
Etwas lästig sind die häufigen Polizeikontrollen an der Straße. Offiziell Kontrolle der Papiere, tatsächlich wollen sie aber (meistens) ein Trinkgeld/”Begrüßungsgeld” kassieren. Hatte aber bisher Glück. Habe immer einen Haufen mehr oder weniger wertloser Papiere vorgezeigt, und mich ansonsten dumm gestellt, dann haben sie mich weiter gelassen. Oder wenn wir zu zweit waren, habe ich kein Spanisch verstanden, und nur Giannina hat gesprochen. Denn von einer Frau verlangen sie kein Geld.
Es gibt natürlich auch noch “an jeder Ecke” die Relikte der Inka und der früheren Kulturen, aber das ist ein Thema für sich.
Die nächste, etwas größere Tour soll dann im Juli nach Bolivien gehen. Am Titicaca-See vorbei, dann u.a. La Paz und danach weiter südlich an/auf die großen Salzseen.
Zwischendurch in Lima, wo ich zurzeit gerade bin, hab’ ich meine Bude im Stadtteil “Miraflores”. Andere und die Außenbezirke von Lima sind nicht so schön, und auch etwas gefährlich. Aber hier ist es sehr angenehm, fast vergleichbar mit europäischen Großstädten. Kann zu Fuß zum Meer laufen, und man kann sich zu jeder Tages- und Nachtzeit frei bewegen. Es gibt Bars (teilweise natürlich mit Gringos drin), auch feine Restaurants, Supermärkte mit allen erdenklichen leckeren Sachen zzgl. der hiesigen Früchte etc. Der Haupt-Drink ist hier ja der Pisco, oder als Mix Pisco-Sour, sehr lecker (und gefährlich). So eine Art Gin fabrizieren sie auch, der nennt sich “Paramonga-Gin”, kostet so gut wie gar nichts, ist aber doch bekömmlich. Ausgiebig getestet.
Anm. d. Red.: Fortsetzung folgt…




