Bolivien-Tour, 01. Juli bis 01. August 2009, 6.000 km
Ich will mal wieder ein bisschen in die Tasten hauen, um Euch zu berichten und machts-euch-schoen.de mit weiteren Geschehnissen aus dem fernen Südamerika zu füttern. Wir sind gerade von unserer 4-Wochen-Bolivien-Tour wieder zurück nach Lima gekommen. Viel zu schnell ist auch diese Tour vorübergegangen.
Für mich hieß es ja erstmal, rund 1.350 km auf der Panamericana herunterzureißen, was eine sandige, salzige und windige Angelegenheit war. Und mit der nicht gerade übermotorisierten BMW R65GS (27 PS) bei Gegenwind auch manchmal recht zäh und mühsam. Für die bolivianischen Pisten und den Salzsee hatte ich auf dem Vorderreifen einen “richtigen” Stollenreifen (Michelin Desert) aufgezogen. Die für Sand- und Schlammfahrten relativ einsam stehenden Stollen allerdings ließen in den (asphaltierten) Kurven nicht so richtigen Spaß aufkommen. Es war mehr eine Eierei wie auf wabbeligen Gummistelzen, aber später – in seinem eigentlichen Einsatzgebiet – hat sich dieser Reifen dann bestens bewährt, das darf und will ich nicht verschweigen. Den Michelin Desert gibt es leider nicht in passender Größe für den Hinterreifen, daher musste dort ein etwas zahmerer herhalten (Pirelli MT-21). Doch auch dieser hat sich wacker geschlagen, und war z.B. nach 6.000 km erst halb abgefahren, dank der – fehlenden – Motorleistung, erst recht in großer Höhe.
Insgesamt bin ich also nicht allzu sehr ins Rasen gekommen, das kann man ja auch mal so sehen.
In Puno, am Titicaca-See, hab ich dann Giannina getroffen, die von Lima mit dem Flugzeug gekommen war, um etwas Zeit zu sparen. Sie hatte ja nur einen Monat extra freibekommen. Wir haben die schwimmenden Inseln besucht, was ganz interessant war, aber etwas an einen Besuch im Zoo erinnert hat. Die Bewohner knöpfen außerdem den Touristen Geld ab wie die Großen durch den Verkauf überteuerter Souvenirs.
Unser Aufentalt in Puno wurde 2 Tage länger als geplant. 1 Tag wegen rebellierenden Magens, deshalb konnten wir allerdings die M/V “Yavari” besuchen. Dampfschiff, 1862 in England gebaut, dann zerlegt, und in Einzelteilen über See nach Arica (damals Peru, heute Chile) transportiert. Von dort ging der Transport weiter über Land per Eisenbahn nach Tacna, und von dort weiter mit Maultieren durch die Berge. 1869, nach 7 Jahren, waren die meisten Teile vor Ort, und 1871, nach 9 Jahren, fand die Jungfernfahrt statt. Die Kanone, der eigentliche Zweck des Schiffes zur Verteidigung Perus gegen Bolivien, ist niemals angekommen.
Einen weiteren Tag haben wir wegen Streiks der Minenarbeiter in Puno verbracht, es gab kein vernünftiges Benzin, nur Benzin mit 84 Oktan wurde verkauft, und die Straßen waren durch Barrikaden blockiert. Am nächsten Tag konnten wir mit Engelszungen einen Tankwart überreden, uns Benzin mit 90 Oktan zu verkaufen, und los ging’s. Die Straße bis zur Grenze nach Bolivien war mit Steinen und Barrikaden übersäht, zwei Brückensperren wurden für uns extra kurzeitig geöffnet, und irgendwann waren wir dann an der Grenze.
Die Grenzformalitäten haben wir erstaunlich schnell und ohne jegliche Zahlung von Schmiergeld überstanden. Ausreisestempel Peru, Ausreise/Export Motorrad, Einreisestempel Bolivien, Einreise/Import Motorrad, und zwei Stunden später waren wir dann in La Paz.
In La Paz haben wir hauptsächlich Freunde von Giannina besucht, die uns auch mit guten Tipps für die weitere Reise geholfen haben. La Paz ist eindrucksvoll, schon allein durch die besondere Lage in den Bergen. Das Viertel “El Alto” liegt auf 4.000 m, das Zentrum auf 3.600 m, und der tiefste Punkt liegt auf 3.000 m Höhe, das macht einen Temperaturunterschied zwischen oben und unten von locker 10°C. Es gibt einige gute Straßen, die sich da langsam hinauf winden, wir sind auch einmal “senkrecht” hochgefahren nach/durch “El Alto”, das war eine schöne Quälerei für das Motorrad.
Benzin gibt es in Bolivien nur eine Sorte, “Especial”, scheint aber OK zu sein, und kostet umgerechnet 40 Euro-Cent pro Liter.
Dann sind wir von La Paz nach Potosi gefahren, mit Zwischenübernachtung in Oruru. Potosi ist eine schöne Stadt vergangenen Reichtums durch Silber. Wir haben in einem Hostal aus dem 17. Jahrhundert übernachtet. Die Spitze in Potosi war der Besuch in einer Silbermine.
Die Arbeiter bauen dort Silber, Zink und Blei ab, wie vor 400 Jahren, haben keinerlei Schutz vor den giftigen Stäuben etc. Dabei halten sie sich durch Unmengen von Koka-Blättern und 95%igen Alkohol bei Kräften. Die verbleibende durchschnittliche Lebenserwartung der Männer nach Beginn der Minenarbeit liegt bei nicht viel mehr als 15 Jahren! Dennoch sind sie stolz, diese schwere und zehrende Arbeit zu verrichten. Der Besuch in den Minen ist kostenlos, man sollte/muss lediglich den Arbeitern Koka-Blätter, Alkohol und Dynamit (!) mitbringen, was man alles vorher auf dem Markt kaufen kann. Man stelle sich einmal vor, in Deutschland auf dem Markt Koka-Blätter und Dynamit zu kaufen…
Von Potosi aus sind wir dann die 200 km nach Uyuni zum Salzsee gefahren. Wir sind erst gegen 14:30 Uhr losgekommen (wieder Magen, diesmal ich), egal, laut Karte sollte es ja eine asphaltierte Straße sein, wird schon in 3 Stunden zu schaffen sein. Die ersten 60 km waren (tolle) Sandpiste, danach zum größten Teil Wellblech. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde es schweinekalt, um 20:30 Uhr sind wir schließlich in Uyuni angekommen. Ungemütliche Tour.
Der Salzsee von Uyuni (“Salar de Uyuni”) ist ein Erlebnis für sich. Wir hatten Glück, es war trocken, die Fläche ist topfeben, und das Salz hat guten Grip. Es macht richtig Laune, da mit voller Geschwindigkeit rüber zu fahren. Die Orientierung ist dank mehrerer “Inseln” sowie eines Vulkans und Berge am Rande – bei Tageslicht – sehr einfach. Es ist ein bisschen wie auf einem anderem Planeten.
Eine denkwürdige Sache ist “passiert”: Auf dem Salzsee von Uyuni haben wir noch über die Salzseen bei Bonneville in den USA gesprochen, und wie sie dort mit diesen Dragstern Geschwindigkeitsrekorde fahren. Abends, im Hotel in Uyuni, schalten wir den Fernseher ein, und just gibt es einen schönen Film mit A. Hopkins. “Burt”, der sich einen Lebenstraum verwirklicht, und in den 60er Jahren mit seinem Motorrad auf dem Anhänger von Australien nach Bonneville reist, um auf dem Salzsee einen Rekord aufzustellen…
Giannina hat sich tapfer geschlagen, auf dem Salzsee und den Pisten, alles auf kalten 4.000 m Höhe. Und z.B. ein Tag aus dem Regenwald zurück nach La Paz, unten Regen und total durchgeschwitzt, eine Stunde später oben auf 4.800 m Höhe Hagel und Schnee, keine 5m Sicht, und Eis auf der Jacke. Und das alles mit dem Michelin Desert vorne, auf der glitschigen Straße… Hatte selbst mir keinen Spaß mehr gemacht. Dazwischen Dünnpf…, Kopfschmerzen, Muskelkater, …. Aber insgesamt eine tolle Tour, die man gar nicht mit ein paar Worten beschreiben kann.
Cordillera-Negra und Chimbote-Tour, 08. bis 11. Sept. 2009, 1.400 km
Gerade kümmern wir uns um den Rücktransport des tapferen Motorrades. Eigentlich wollte ich ja nochmal damit zum Regenwald runter, aber da dort zur Zeit ein bisschen Stress herrscht, war ich als “Abschlusstour” “nur” im Norden an der Küste und in der “Peruanischen Schweiz”, was aber auch unglaublich schön ist.
Ich habe noch tolle Fotos mit meiner alten Kamera gemacht, Aussicht von der Cordillera Negra von 4.000m über das Tal des Rio Santa hinweg auf die Cordillera Blanca mit 120km Länge von Bergen und Gletschern bis knapp 6.800m.
Und direkt von der Puya Raimondii, da muss man erstmal hinkommen auf den Pisten. Das ist eine Pflanze, die wächst nur auf ca. 4.000 m, da wächst sie ca. 40-80 Jahre, dann blüht sie einmal, danach stirbt sie.
Und beim Herabfahren ins Tal eine Explosion der Farben beim Sonnenuntergang.
